Gebäude

Entwicklungsgeschichte der Gasfabrik in Sigmaringen von deren erster Verwalter Aug. Walter aus Augsb

Teil 1

Durch Vermittlung des Kgl.preus. Oberamtmann von Mannstein wurde am 18. Juli 1861 zwischen den Bürgerkollegien der Stadt Sigmaringen und dem Fabrik Besitzer L.A. Riedinger in Augsburg ein Vertrag auf 35 Jahre abgeschlossen, wonach sich letzterer verpflichtet, auf diese Dauer die Stadt Sigmaringen, d.h. Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung der Gebäude wie Türen, mit Gas zu übernehmen.

Die Stadt hat den Platz unentgeltlich zu beschaffen, auf welchem die Gasfabrik zu stehen kommen sollte. Durch die Munifizenz Sr. Kgl. Hoheit des verstorbenen Hochseligen Carl Anton von Hohenzollern wurde ihr dies möglich, indem Hochderselbe der Stadtgemeinde den hierzu nötigen Bauplatz auf der Sigmaringer Burgwiese schenkte. Dieser hohe Herr hatte überhaupt ein sehr großes Interesse an diesem Unternehmen.

Das Fabrikwohnhaus wurde von dem damaligen Maurermeister, nachherigen Stadtbaumeister Jos. Griesmeier, um den Preis von f 6000 sagen 6000 Gulden gekauft.

August Walter führt weiter aus, daß zur Ausführung der Fabrik von L.A. Riedinger Friedrich Brommer, Ingenieur als Vorstand, er selbst als Gastechniker, Gus. Reiser aus Stuttgart als Installateur und Fritz Steinmann als Buchhalter designiert wurden. Über die Feuermänner jedoch konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.

Am 5. August 1861 wurde der erste Spatenstich ausgeführt und die Arbeiten so forciert, daß die Gasfabrik ohne Unfall bereits am 15. Januar 1862 in Betrieb genommen werden konnte. Erwähnt wird noch, daß Maurermeister Jos. Griesmeier mit der Ausführung der Betriebsgebäude und des Bassin des Gasometers betraut wurde.

Die Fabrik hatte zu Beginn zwei Öfen mit je einer großen eisernen Retorte, einem zusätzlichen Condenser, einem Wascher und ebenfalls zwei schiedeisernen Reiniger und einen 15.000 Liter fassenden Gasbehälter. Zur Ausstattung gehörten auch 31 Gaslaternen im Innenstadtbereich und ein Rohrleitungsnetz von 9.321 württb. Fuß (Meter) in den Dimensionen von 6 bis 1 Zoll. Das Gas wurde zunächst aus Holz hergestellt und kalkgereinigt in das Rohrnetz gebracht.

Mann mit Telefon

Die Gasfabrik Sigmaringen wurde zum Jahreswechsel 1863/64 zum Preis von 60.000 Gulden an die Gesellschaft für Gasindustrie Augsburg verkauft. Ab Mitte Dezember 1870 wurde die Gaserzeugung zunächst auf Mischgas von Holz und Steinkohle, ab 26. April 1871 ganz auf Steinkohle nebst Eisenreinigung umgestellt. Zur Mischgasherstellung wurden Thornretorten verwendet und der für die Beheizung der Retorten benötigte Koks mußte von der Gasfabrik aus Biberach bezogen werden.

In den folgenden Jahren wurden verschiedene Verbesserungen, Neuanschaffungen und Erweiterungen vorgenommen. So unter anderem ein Heizkessel für Fabrik und Gasometer Bassin (1867), zwei Thornretorten im II. Gewölbe, nebst einer Hydraulik für denselben (1871). Er wurde bis 1878 benutzt. Danach wurde das Gewölbe abgebrochen und durch ein neues, höher liegendes ersetzt, in daß zwei Thornretorten französischer Bauart mit selbst dichtenden Retortenköpfen und eine Schachtfeuerung mit leiser Luftzuführung eingesetzt werden konnten. Da sich diese Konstruktion nicht bewährte ging man ab 1886 wieder auf die alte Kohlenfeuerung zurück.

Ein Jahr später wurde der Gasometer mit einem, von Zimmermeister Friedrich Volkwein für 2.000 Gulden ausgeführten, hölzernen Überbau versehen. Diese Ummantelung hat sich nach August Walter in Bezug auf die winterlichen Wetterverhältnisse bestens bewährt. So daß er sie allen Anstalten wärmstens empfahl.

Nach den Aufzeichnungen von August Walter, betrug der Gaspreis für das Holgas "per 1000 cbm engl. Fuß 7 Gulden". Der Preis für das Kohlengas wurde dann auf 5,50 Gulden reduziert.

Am 1. Mai 1876 wurden die stationäre in der Gasfabrik und alle anderen Gasuhren - mit Ausnahme der Schloßuhren - auf Motor-Maß umgestellt. August Walter's Aufzeichnungen schließen mit dem Eintrag, daß am 13. Mai 1889 die Fabrik und deren Kamin durch Hofflaschnermeister Bernhardt mit einem neuen kupfernen Blitzableiter versehen wurde.

Am 1. August 1890 übergab der erste Verwalter August Walter die Gasfabrik Sigmaringen an Gottlob Baisch, der am 21. Juli nach Sigmaringen gekommen war.

Auch Gottlob Baisch, der über 37 Jahre (1890-1928) für die Gasfabrik Sigmaringen verantwortlich zeichnete, hatte einige Aufzeichnungen hinterlassen.

Ihnen entnehmen wir, daß zum Ende der achtziger Jahre eine jährliche Gaserzeugung von rund 62.000 cbm stattfand, die bis zum Jahre 1893 auf 88.000 cbm gesteigert werden konnte.

Als in den Jahren 1893/94 das Fürstlich Hohenzollerische Elektrizitätswerk am Donauwehr unterhalb des Schlosses errichtete, ging der Gasverbrauch und somit auch die Erzeugung merklich zurück, da das Schloß, mehrere Hotels und auch Privathaushalte mit elektrischem Licht versorgte. So ging die jährliche Gaserzeugung im Jahre 1895 auf rund 52.000 cbm zurück, und der Gasfabrik wurde ein baldiges Ende vorhergesagt.

Allen Unkenrufen zum Trotz ging es jedoch von diesem Zeitpunkt an wieder aufwärts. Bedingt u. a. durch die Zunahme von Gaskochherden und Badeöfen, die sich gegenüber den elektrisch betriebenen sehr gut behaupten konnten.

Als in den Jahren 1897/98 das Gasglühlicht zur Anwendung kam, so Gottlob Baisch, stieg der Gasverbrauch stark und stetig an. So daß 1913 ein Jahresverbrauch von 139.000 cbm registriert werden konnte.

Der 1. Weltkrieg mit seinen Folgen und der damit zusammenhängende Kohlemangel war für das Werk eine schwere Zeit. Zumal der Gasverbrauch kaum merklich abnahm, da das Kochen immer mehr an Beliebtheit zunahm.

Zur Zeit der Übernahme des Werkes durch Gottlob Baisch im Jahre 1890 wurde das Gas in drei Öfen - zwei mit je 1 und einer mit zwei Retorten bestückt - erzeugt, die jedoch nicht mehr ausreichten. Und so wurde 1909 ein neuer Ofen mit drei Retorten und 3 Halbretorten erbaut.

In den Jahren 1915/16 wurde die Gasfabrik vollständig umgebaut. Die alten Öfen durch einen vierer, einen dreier und einen zweier Retortenofen mit Halbgeneratoren ersetzt. Desweiteren ein neuer Teer- und Amoniakwascher. Je ein Gas- und Elektromotor, Gassauger und Teerscheider.

Konnten bisher täglich 500 bis 600 cbm Gas erzeugt werden, so stieg mit den neuen Geräten und dem erweiterten Rohrnetz die Produktion bis 1.500 cbm an. Am Anfang war nur die Innenstadt und nach dem Bahnbau auch das Landesspital an das Gasrohrnetz angeschlossen. Erweiterungen fanden nur durch Anschlüsse weiterer Häuser an dieses bestehende Netz statt.

Im Jahr 1911 wurde das Gasrohrnetz im Bereich der Josefinen-, Gymnasium- und Hedingerstraße bis zur Villa Longard (Chem. Landesuntersuchungsanst.) der in jener Zeit zur Bebauung erschlossen wurde, erweitert.

Wenige Jahre danach, 1914, wurde eine größere Leitung zum Spital und durch die Leopold- und Gorheimerstraße bis zum städt. Wasserwerk verlegt. Zwei Jahre später erhielt auch das Kloster Gorheim einen Gasanschluß. Im selben Jahr wurde die Hedingerstraße bis zur Karlstraße verlängert, womit eine weitere Ringleitung fertiggestellt wurde. Die Badstraße und Gorheimer Halde, sowie ein Teil der Josefinenstraße wurden ebenso in das Rohrnetz einbezogen.

Gottlob Baisch erwähnte in seinen Aufzeichnungen auch, daß bis ins Jahr 1870 nur Holzgas erzeugt wurde, da Kohle nur über einen Gleisanschluß angefahren werden konnte. Als die Gleise um das Jahr 1870 bis Scheer a.D. führten, wurde auch Kohle verwendet, die mit Pferdefuhrwerken von dort nach Sigmaringen geholt wurde. Erst vier Jahre später war auch Sigmaringen an das Bahnnetz angeschlossen, wodurch die Kohleversorgung einfacher wurde.

Die im Nachlaß von Rektor Keller vorgefundenen Ergänzungen, die dieser nach mündl. Rücksprachen mit dem Gaswerksverwalter führte, ist zu ersehen, daß sich der Kohleverbrauch zu Beginn (1870) auf 10 bis 12 Waggons, im Jahre 1924 auf rund 60 bis 80 Waggons zu je 200 Zentner Kohle pro Jahr belief.

Die Ausbeute an Gas blieb annähernd gleich. Von 100 kg Kohle wurde ca. 30 cbm Gas, 60 kg Koks und ca. 4-5 kg Teer gewonnen. Letzteres wurde an Teerfabriken verkauft. Und während das ebenfalls anfallende Amoniakwasser zunächst als wertlos abgelassen wurde, wurde es später zur Düngung benutzt. Wofür pro cbm 1 Mark bezahlt wurde. Für einen Doppelzentner Kohle mußte - mit leichten Schwankungen - 2,50 Mark bezahlt werden. Diesem Preis angepaßt, wurde der Koks in kleinen Mengen an Haushaltungen in der Stadt abgegeben. Im Jahre der Aufzeichnung Kellers 1924 war der Kohlepreis auf 3,20 bis 4,50 Mark je Doppelzentner und somit auch der Preis für Koks gestiegen.

Rektor Keller berichtete auch von außergewöhnlichen Donauhochwassern, von der die ganze Vorstadt und somit auch die Gasfabrik heimgesucht wurden. So z. B. Mitte Januar 1899 und 1910, sowie zu Weihnachten 1919 als das Wasser fußhoch in der Fabrik stand und namentlich 1919 viel Koks hinweggeschwemmt wurde.

Aus einer Zusammenfassung Rektor Kellers entnehmen wir, daß die Rohrnetzlänge am Anfang ca. 3.000 Meter, zehn Jahre später etwa 3.500 Meter, um das Jahr 1900 4.000, 1914 bereits 8.500 und im Jahr 1924 9.000 Meter betrug.
Die Gaserzeugung, über die wir aus den ersten jahren keine Daten finden konnten, betrug in den Jahren 1889/90 etwa 62.300 cbm, nach dem Einbruch durch den Bau des Elektrizitätswerken in den Jahren 1993/94 sank die Gaserzeugung auf 52.300 cbm, um danach wieder langsam aber stetig anzusteigen.

So z. B. 1899/90 auf 62.700 cbm, 1909/10 auf 105.200 cbm, 1919/20 auf 145.700 cbm und 1924/25 auf 155.000 cbm. Im Jahr 1930 wurden 258.050 cbm und im Jahr 1934 264.090 cbm erzeugt.

Der Gasverbrauchspreis wurde um 1900 mit 25 Pfennig, 1915 mit 18 Pfg. und 1924 mit 25 Pfg. notiert.

Zum 1. März 1925 waren in der Stadt 510 Gasherde, 25 Gasöfen und 50 Gasbadeöfen registriert. Und trotz der Einführung des elektrischen Stromes wurden noch 50 Wohnungen durch Gaslicht beleuchtet.

Zu jener Zeit dürften rund 400 Familien mit Gas versorgt worden sein, wie aus einem Artikel der Heimatzeitung 1926 hervorging. Dort wurde auch von der Absicht geschrieben, im Zuge von Notstandsarbeiten das Hanfertal an die städt. Wasserleitung anzuschließen und im gleichen Zuge auch das Gasrohrnetz dorthin zu erweitern.

Am 31. März 1928 trat - nach 38 Jahren - Gaswerksverwalter Gottlob Baisch in den Ruhestand und zog in die Leopoldstraße. An seine Stelle trat am 15. März 1928 Johann Mannel. Seine Tätigkeit dauerte allerdings nur knapp drei jahre. Er kam wegen seines persönlichen Verhaltens und schlechtem Führungsstil bei der Bevölkerung nicht an. Während seiner Amtszeit war häufiger Personalwechsel und es wurde ihm von seitens der Gasgesellschaft vorgeworfen, zu wenig für die Gaswerbung getan zu haben. Eine Expansion jedoch war zu dieser Zeit gar nicht so einfach, da die Bevölkerung des großen Holzüberschusses wegen, mehr der Holzfeuerung zuneigte, wie den kargen Unterlagen dieser Zeit zu entnehmen war.

Trotzdem wurde während dieser wenigen Jahre, ausgehend von der 100er Gußleitung der Fürst-Wilhelm-Straße eine gleich große Stahlleitung durch die Schwabstraße bis zur Antonstraße und eine 70er Leitung durch die Donaustraße zur Stadthalle verlegt. In dieser Zeit, so Gasmeister Georg Barth in seinem Rückblick, wurde vermutlich auch die Gasleitung von der unteren Josefstraße zur Wilhelmshöhe verlängert.

Nach der Entlassung von Johann Mannel trat am 15. Januar 1931 Karl Leschmann den Posten als Verwalter der Gasfabrik an.

Zu Beginn der wenigen Aufzeichnungen von Carl Leschmann steht, daß nach jahrelangem stark abgekühltem Verhältnis zwischen Johann Mannel und seinem Vorgänger Gottlob Baisch wieder normale menschliche und freundliche Umgangsformen mit "Papa Baisch" herrschten. Dieser zog im Frühjahr 1932 in eine Wohnung gegenüber dem Gaswerk, seiner jahrzehntelangen Wirkungsstätte. Am 8. April, nur zwei Monate später jedoch, verstarb er im 75sten Lebensjahr.

Im November 1931 wurde auf betreiben des neuen Verwalters im Hause des Brauereibesitzers Paul Graf, in der Burgstraße 3 nebem dem Gasthaus zum Bären, ein Ausstellungsraum für Gasapparate und sanitäre Einrichtungsgegenstände eröffnet. Damit war der Einwohnerschaft die Möglichkeit gegeben, sich ausreichend zu informieren, was sich auch beim Verkauf bemerkbar machte.

Im Jahre 1933 erhielt der Ofen I einen neuen Obereinbau mit vier Chamotteretorten und da der Gasverbrauch weiter anstieg - die 200.000 cbm Grenze wurde schon 1928 überschritten - wurde im Herbst 1934 ein neuer, 600 cbm fassender Gasbehälter gebaut. Er war wenige Tage vor Weihnachten, am 22. Dezember, fertig gestellt und sollte zu Beginn des neuen Jahres in Betrieb genommen werden.

Dieser offizielle Termin wurde jedoch vom alten Behälter sabotiert. Denn dieser versagte in der Nacht vom 24. auf 25. Dezember.

Die Glocke wurde aus der Führung gehoben, hing schief und hatte sich festgeklemmt und so mußte der Neue programmwiedrig in Dienst gestellt werden. Der neue Behälter - von der Heilbronner Firma Paul Gentsch erbaut - konnte je nach Bedarf von 600 auf 1.200 cbm hochteleskopiert werden. Im gleichen Jahr wurde der Sitz der "Gesellschaft für Gasindustrie" - zu dem auch die Sigmaringer Gasfabrik gehörte - von Augsburg nach München verlegt und der "Gesellschaft für Licht- und Kraftversorgung" (LuK) München angeschlossen.

Verwalter Carl Leschmann schließt seine nur wenigen Aufzeichnungen mit einigen technischen Betriebszahlen und der Aufzählung der Belegschaft Ende des Jahres 1934. Demzufolge war die Gasproduktion auf 264.090, die Gasabgabe auf 263.680 cbm gestiegen, wovon die Gasbeleuchtung 20.246 cbm verbrauchte. Dem Kohleverbrauch von 640,1 to standen 385,5 to Kokserzeugung gegenüber. Als Nebenprodukt fielen 24,7 to Teer an und für die Unterfeuerung mußte 213,6 to Koks verwendet werden.

Der Belegschaft gehörten außer dem Verwalter Carl Leschmann, der Buchhalter Fritz Ahlemann, der Kassenbote Wilhelm Kern, die Feuermänner Sigfried Bregenzer, Kasimir Kienzle und Eduard Notz, die Installateure Anton Fischer, Fritz Maier und Karl Wolfsturm, sowie der Helfer Stefan Fleisch an.

Ernste Gegensätze zwischen der Hauptleitung in München und der Sigmaringer Werksleitung - die zum Teil wohl auch im politischen Bereich zu suchen waren - führten dazu, daß Carl Leschmann mit dem 26. März 1938 ausschied und im Juni bei den Technischen Werken in Stuttgart eine Stellung annahm.

Am gleichen Tag wurde durch Oberingenieur Puchala und Revisor Lühmann von der Münchener Zentrale Georg Barth mit der Werksleitung beauftragt, die er über 43 Jahre innehatte, bis er Ende April 1981 in den wohlverdienten Ruhestand ging.

Ihm verdanken wir umfangreiche schriftliche Aufzeichnungen, die durch persönliche Gespräche noch vertieft werden konnten.

So u. a., daß sich 1938 das ganze Gaswerk, einschließlich der Öfen, in sehr schlechtem Zustand befand. Im Ofenhaus stand ein 4er Ofen, der in Betrieb war und ein 3er als Reserve und der 1867 beschaffte Dampfkessel zur Retortenbedampfung und Betriebsheizung. Eine elektrische Pumpe schöpfte das Wasser für den Eigenverbrauch aus der von kleinsten Koksteilchen verschmutzten Löschwassergrube und war daher nahezu unbrauchbar. Auch der Antriebsmotor für den Gassauger, ein Gasmotor mit Magnetzündung, fiel häufig aus. Ein zur Verfügung stehender Elektromotor wurde aber nur zur Reserve eingesetzt, da seine Betriebskosten (25Pfg/kWh - Gas 21 Pfg pro cbm) zu hoch waren. Das Koksbrechen erfolgte zu damaliger Zeit noch durch mühseliges Zerkleinern von Hand.

Am Apparatehaus waren die 1915 beschafften Geräte und im Reinigerraum drei neuere Reiniger. Ferner der zum Ende des Jahres 1935 erstellte Gasbehälter, der erst nach schwierigen Verhandlungen mit der Stadt gebaut werden konnte. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß schon zu damaliger Zeit Bestrebungen in Gange waren, das Gaswerk auf Kosten der Gesellschaft für Gasindustrie von seinem jetzigen Standort an den Ortsrand der Stadt zu verlagern.

Im Jahr 1938 wurden auch umfangreiche Arbeiten am kleinen, nur 400 cbm Inhalt fassenden Gasbehälter vorgenommen. Während das Bassin von Maurermeister Gäßler ausgebessert wurde, erhielt die Behälterglocke einen neuen Schutzanstrich durch Malermeister Pfeiffer. In diesem Zusammenhang wurde auch durch die Arbeiter des Betriebes, unterstützt durch Zimmerleute, der mittlerweile baufällig gewordenen hölzerne Umbau dieses Behälters entfernt. Diese Arbeiten mußten aus Gründen des Fremdenverkehrs zügig abgewickelt werden. Noch vor Pfingsten waren die Arbeiten beendet. Die Feuerwehr hatte für 60 RM das Bassin mit Donauwasser gefüllt und die Behälterglocke konnte wieder abgesenkt und in Betrieb genommen werden.

Auch die Gebäude waren nicht in bestem Zustand. An die Werkstatt war von einem Werksfremden sogar ein Schweinestall angebaut worden. Drei Fenster, vor denen zwei Teerbehälter standen, waren zugemauert. Der Betriebsablauf war beschwerlich und überzeitig. So sammelten sich z. B. die Kondensate der Betriebsleitungen im Reinigerraum und mußten in Kübeln in die Sammelgrube entleert werden. Der Teertransport vom Gaswerk zur Bahn erfolgte in einem zwei cbm fassenden Holzfaß auf einem Dreschwagengestell Dieses wurde 1938 durch ein 2,5 cbm fassendes Eisenfaß ersetzt. Eine der ersten Arbeiten von Georg Barth war der Einbau eines Sicherheitstopfes, wie auch die Beschaffung eines gebrauchten 20 PS-Deutz- Gasmotors für 40 RM. Ein Eisele-Koksbrecher erleichterte künftig die bisher beschwerliche und zeitraubende Arbeit.

Ein Abkommen mit dem heimischen Kohlenhandel im Oktober 1938 entlastete das Gaserk von der direkten Lieferung des Kokses an die Verbraucher.

Das Ziel, möglichst viele Haushaltungen an die Gasversorgung anzuschließen, wurde von Georg Barth wenn nur irgendwie möglich über seine ganze Amtszeit hinweg konsequent angestrebt. So wurden z. B. noch 1938 das Steidlesche Sechsfamilienhaus beim Katzenbuckel und im Gebiet der heutigen Stelzer-, Dietfurter- und Feldstraße, sowie im oberen Bereich der Josefinenstraße an das dadurch erheblich verlängerte Rohrnetz angeschlossen. Ein Novum der Anschluß des Neubaues Marquard in unmittelbarer Nähe des Gaswerks. Es wurde mittels Hausdruckreglers dirket an den Ausgang des Gasbehälters angeschlossen.

Der Gasverbrauch konnte auch durch den Anschluß von Metzgereien gesteigert werden.

Von der Roystraße her wurde das Neubaugebiet der Kriegsopfersiedlung beim "Hohen Kreuz" mit einer 60er Stahlrohrleitung mit Gas versorgt. Trotz Widerstands des Stadtbauamtes wurden in diesem Bereich drei Gaslaternen auf Betonkandelabern montiert, die übrigens bis weit in die 50er Jahre in Betrieb waren.
Noch immer September dieses Jahres erfolgte die Verlegung einer Gasleitung unter der Eisenbahnbrücke beim Konvikt zur Meinradstraße, wo zu dieser zeit mehrere Neubauten entstanden und mit Gas versorgt wurden.

Im Jahre 1938 entstand durch Strompreissenkung auf 7 Pfg/kWh neben einer günstigen Grundgebührregelung eine ernsthafte Konkurrenz. Und wiederrum, wie in den Jahren 1893/94 als das E-Werk in Betrieb ging, wurde dem Gas das Ende vorausgesagt. Doch bald schätzten die Abnehmer "ihr" Gas wieder, da im Rahmen des "Vierjahresplanes" die Brennholzzuteilung vermindert wurde.

Nicht verschwiegen werden soll eine Ende Januar 1939 im Bereich des Gaswerks stattgefundene Explosion. Die außer zwei durch Brandwunden Verletzte jedoch nur geringe Gebäudeschäden hervorrief. Bei Reparaturarbeiten einer defekten Rohrleitung zog sich das ausströmende Gas in den angrenzenden Motorenraum, wo es sich an einer Zündflamme entzündete.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurden, so aus den Aufzeichnungen von Georg Barth, gleich sechs der 13 Mitarbeiter zum Wehrdienst eingezogen. Der Werkleiter und ein Monteur beendeten die angefangenen Rohrverlegungsarbeiten im Hanfertal. Ferner wurden noch zwei Häuser in der Berg- und der Schnellstraße angeschlossen.

"Arbeitskräftemängel und Eisenbewirtschaftung zwangen zur Zurückstellung jeder größerer Arbeit."

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