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Entwicklungsgeschichte der Gasfabrik - Teil 2

Der Winter 1939/40 stellte an das Gaswerk hohe Anforderungen, da mangels fester Brennstoffe die Gasabnehmer immer mehr Gas zu Heizzwecken heranzogen. So daß mit dem 4er Ofen täglich bis 1.300 cbm Gas erzeugt werden mußten.

Nach schwierigen Verhandlungen mit verschiedenen Reichsstellen wurde im Sommer 1940 ein neuer 6er Ofen mit verschiedenen technischen Verbesserungen gebaut. Gleichzeitig wurde eine Eigenwasserversorgung mit Druckboiler installiert, die sich gegenüber dem Stadtwasserbezug weit wirtschaftlicher erwies. Desweiteren wurden die Hand-Teerpumpen durch eine elektrisch betriebene in einer Grube versenkten Zahnradpumpe ersetzt und noch weitere Verbesserungen vorgenommen.

"Weihnachten 1940 erbrachte die beachtliche Tagesgaserzeugung von 1.540 cbm, womit die Leistungsgrenze von 1.500 cbm überschritten wurde."

Georg Barth erwähnte noch die Kohlenanfuhr von 180 to, die laut der Kriegswirtschaftsverordnung im Verlaufe eines Tages vom Eisenbahnwaggon entladen und im Gaswerk untergebracht werden mußte.

Im Juni 1941 wurde unter Mithilfe von Kriegsgefangenen die Gasleitung im Hanfertal ein Stück in die Bittelschießerstraße verlängert. Die Gastarife wurden zu dieser Zeit auf 21, 16, 14 und 9 Pfg/cbm festgesetzt.

Erwähnenswert, so Georg Barth in seinen Aufzeichnungen, daß im Januar 1941 erstmals die Frage der Gasfernversorgung Sigmaringens zwischen Baurat Weiß aus Stuttgart, dem Stellvertretenden damals amtierenden Bürgermeisters Staudinger, Bauunternehmer Emil Steidle und ihm geführt wurde.

Gasmeister Georg Barth fährt im zweiten Teil seiner Aufzeichnungen mit dem Kriegsjahr 1941 fort, denen wir wiederrum auszugsweise entnehmen; "daß Sigmaringen in den Kriegsjahren die Bedeutung einer Lazarettstadt erhalten hat. Die Dächer des Krankenhauses, des Fiedeliskonviktes, des Kloster Gorheim und der Stadthalle waren durch große Rote Kreuze gekennzeichnet. Dadurch waren auch die Wirtschaftsküchen dieser Häuser und auch die übrige Gasversorgung der Stadt als 'kriegswichtig' eingestuft. Fünf dienstverpflichtete Arbeitskräfte waren im je achtstündigen Ofenschichtdienst, für die Rohrnetzunterhaltung und den Kundendienst eingesetzt."

Durch die Verdunklungsvorschriften war das Ausstoßen des rotglühenden Kokses und das Ablöschen desselben im Löschturm mit seiner weiterhin sichtbaren Dampfwolke nicht leicht und führte öfters zu Konfrontationen mit den Luftschutzwarten. Sollte doch kein Lichtschein feindliche Flugzeuge anlocken.

Schließlich waren es dann doch die Luftangriffe, die verhinderten, daß Kohle aus den Revieren von Ruhr und Saar nach Sigmaringen gelangte. So war zu Weihnachten 1944 die letzte Schaufel Kohle entgast. Die Einstellung der Gasversorgung Sigmaringen drohte. Was jedoch in dieser ohnehin kritischen Zeit unter allen Umständen vermieden werden mußte.

Dank der Stadtverwaltung und deren Forstleute war es möglich, auf Holzvergasung umzustellen.

Zunächst wurden die herausgesprengten Wurzelstöcke der gefällten Fichten am Ziegelholz, später Papier- und Brennholz- im Gaswerk ofenfertig zerkleinert - verwendet. Die Gasversorgung hatte vor Rentabilität Vorrang, zumal sich im Gefolge der Petain-Regierung viele französische Familien als Gasversorger in Sigmaringen aufhielten.

Im Frühjahr 1945 rückten die Kriegsereignisse näher an die Stadt heran. Am 21. April bereiteten deutsche Sprengkommandos die Zerstörung der Säge- und Laizerbrücke vor. Die dort befestigten Gasversorgungsleitungen, wie auch die Gefahr einer Beschädigung der Gaswerksanlage bereiteten dem verantwortlichen Gasmeister große Sorgen.

Am Morgen des 22. April wurden die Sprengungen vorgenommen. Die zu diesem Zeitpunkt im Gaswerk befindlichen Personen - zwei Arbeiter und der Gasmeister mit Frau und ihrem kleinen Buben - überstanden den Schrecken in einem kleinen auf dem Werkhof befindlichen Bunker. In der Ruhe danach, so Georg Barth, war es möglich, nach eventuellen Schäden zu sehen. Den 400er Gasbehälter, aus Sicherheitsgründen nur halb gefüllt, hatte ein Bombensplitter durchgeschlagen, jedoch ohne das daraus ausströmende Gas zu entzünden.

"Kurz darauf, so Gaswerksverwalter Barth, klingelte das noch intakte Telefon. Ein sehr erregter Bürgermeister frage, ist das Gaswerk in Ordnung? Auf meine bejahende Antwort kam nach einem "danke" nur noch ein -Heil Hitler- hinterher. Wohl der letzte amtliche Gruß dieser Art, denn zu gleicher Zeit walzte ein Geschützpanzer das geschlossene Hoftor des Gaswerkes nieder und postierte sich vor dem Wohn- und Bürogebäude.

Überrascht zeigte er sich auch über zwei in einem Jeep folgenden französischen Soldaten, die ihn in einwandfreiem Deutsch ansprachen (einer davon war einstmals Oberkellner im Löwen) und für die Küche des Löwens Gas forderten, "da der General warm speisen möchte!".

Das Gas konnte jedoch erst geliefert werden, wenn die zerstörten Gasleitungen an den Brücken - zumindest provisorisch - abgedichtet würden. Nachdem dies unter dem Schutz zweier Besatzungssoldaten geschehen war, konnte das Gasrohrnetz wieder unter Druck gesetzt werden.

Unter französischem Militärkommando folgte ein Bürgermeisterwechel, dem auch die nicht beneidenswerte Aufgabe der Holzversorgung des Gaswerkes oblag. Nicht beneidenswert auch die Arbeit der Holzfuhrleute, die sich mit ihren Pferdegespannen durch die von Militärfahrzeugen vollgestopften Straßen der Stadt zwängen mußten.

Die Holzgaserzeugung endete mit dem Eintreffen eines mit Kohle beladenen Güterzuges, von dem durch den französischen Wirtschaftsoffizier zwei Waggons dem Gaswerk zugeteilt wurden.

Erwähnt sollte wohl auch werden, daß zu damaliger Zeit immerhin noch 42 Gaslaternen die nächtliche Dunkelheit der Stadt erhellten. Und die Militärregierung den deutschen Gasabnehmern eine Mengenbegrenzung verordnete. Jeder Kubikmeter mehr kostete ein Bußgeld von 10 Reichsmark.

Mit der Währungsreform 1948 war die Rationierung des Gasverbrauches hinfällig geworden, der daraufhin stetig anstieg und den Neubau eines Ofens mit acht Retorten notwendig machte. Mit diesem konnte ein täglicher Gasverbrauch von 2.000 cbm abgedeckt werden.

Der erste Vertrag, am 18. Juli 1861 zwischen den Bürgerkollegien der Stadt Sigmaringen und dem Augsburger Fabrikanten L.A. Riedinger geschlossen, sah eine Laufzeit von 35 Jahren vor. Die Stadt lehnte aber die Übernahme und die Führung unter eigener Regie ab. Der Vertrag verlängerte sich jeweils immer um fünf Jahre. Erst im Jahre 1950, während der Amtszeit von Bürgermeister Franz Schiek, ging das Gaswerk zu einem Kaufpreis von 153.000,00 DM von der Gesellschaft für Licht und Kraftversorgung München in den Besitz der Stadt Sigmaringen über. Die technische Leitung hatte fortan der jeweilige Stadtbaumeister, die kaufmännische Leitung der Stadtkämmerer. Als Berater fungierte Direktor Scheder von den Reutliner Stadtwerken.

Erste Verhandlungen zwischen Stadt und der LuK fanden bereits Mitte des Jahres 1948 statt. Dabei wurde festgestellt, daß:

  1. Das Gaswerk entspricht mit seiner Kapazität und Ausrüstung nicht mehr der sich stetig erweiternden Stadt. Es werden daher nur mehr die dringensten Reparaturen ausgeführt.
  2. Während der nahezu 90jährigen Zusammenarbeit zwischen der Gasgesellschaft und der Stadtverwaltung gab es keine nennenswerte Reibungsflächen.
  3. Der Neubau eines Gaswerks ist für die künftige Entwicklung der Stadt vordringlich. Der von der Stadt hierfür vorgesehene Platz im "Talacker" fanden die Sachverständigen der Gesellschaft als nicht gerade ideal aber befriedigend.


Bei dieser Aussprache ging man von etwa 10.000 Einwohnern Sigmaringens und eventuellen Anschlusses von Laiz, Sigmaringendorf und Lauchertal aus. Die Entscheidung wurde jedoch bis nach der anstehenden Währungsreform zurückgestellt.

In den nun folgenden Jahren fanden umfangreiche Investitionen im Bereich des Gaswerkes statt. Das Rohrnetz wurde - der sich nach allen Richtungen vergrößernden Stadt -angepaßt und erweitert. Hinzu kam die Vergrößerung und Modernisierung der Gaserzeugungsanlage. Ein neuer freistehender 3er-Kammerofen verdrängte die im Ofenhaus stehenden Retortenöfen. Sie mußten neuen Kühl- und Reinigungsapparaten Platz machen. Und auch ein größeres Grubensystem für Teer und Amoniakwasser wurde erforderlich.

Den hohen finanziellen Aufwendungen, steigenden Kohlepreisen und höheren Lohnkosten, hinkte zunächst der Erlös aus dem Gasverkauf und den Nebenprodukten Koks und Teer hinterher. Dem Stadtgas stand die elektrische Konkurrenz gegenüber: das erzeugte Gaskoks, der Zechenkoks und das Heizöl. Und schließlich verdängte der nun beim Straßenbau verwendete Bitumen noch weitgehenst den Steinkohlenteer.

In einer Fachzeitschrift wurde im Jahre 1960 ein Gaswerk vorgestellt, daß sich von der ursprünglichen Gaserzeugung trennte und statt dessen Propangas mit normaler atmosphärischer Luft vermischt - mit den herkömmlichen Gaszählern meßbar - in das Gasrohrnetz einspeiste.

Als bekannt wurde, daß im bayrischen nördlichen eine solche Flüssiggas-Luftgemisch- Anlage in Betrieb sei, zögerte der technishe Ausschuß des Gemeinderats nicht dieselbe zu besichtigen. Wenn sich auch die Fachwelt dieser Neuerung gegenüber noch sehr reserviert verhielt. Der Bau einer solchen Anlage wurde noch durch das Angebot der Sigmaringer Firma "Südgas" erleichert, die Lieferung des Propan-Gases zu reellen Preisen zu gewährleisten.

Schon im November 1962 ging die neue Anlage in Betrieb. Sie bestand aus einem elektrisch gesteuerten Mischer, zwei Lagertanks mit insgesamt 200 cbm Fassungsvermögen und dem schon vorhandenen 1200 cbm fassenden Gasbehälter. Die mit dem Bau der Flüssiggas-Luftgemisch-Anlage betraute Deutsche-Ofen- Baugesellschaft auf Bochum, stellte in einer Großaktion auch alle Gasgeräte im Stadtgebiet auf das neue Gas (6.000 kcal/cbm) um.

Umwälzend wie die neue Gasherstellung wurde auch der Rohrnetzbau beeinflußt. Wurden bisher nur die schweren, autogen verschweißten und mit Bitumen isolierten Stahlröhren verwendet, kam jetzt das wesentlich leichtere Kunststoffrohr zur Anwendung. Dessen Muffen wurden mit einem Spezialkleber verbunden und die Leitung wurde ohne besondere Isolierung in einer reichlichen Sandbettung verlegt. Wodurch eine sichtbare Zeitersparnis und Arbeitserleichterung registriert werden konnte.

Der Gasbedarf stieg mit dem Wachstum der Stadt weiter an. Daher wurden noch weitere fünf Lagertanks im Werkshof montiert. Damit konnten die Vorteile des Sommereinkaufspreises genutzt und ausreichender Vorrat für den winterlich bedingten, höheren Gasbedarf geschaffen werden.

Ende der 60er Jare wurde aus technischen und auch finanziellen Gründen anstelle des Propangases Butangas verwendet.

Die gewaltige Menge hochbrennbarer Flüssigkeit in unmittelbarer Nähe des Wohngebietes bildete ein hohes Sicherheitsrisiko, daß die Verantwortlichen drängte, die schon mehrmals angesprochenen Überlegungen - das Gaswerk fernab bewohnter Gegend zu erstellen - ernsthaft ins Auge zu fassen.

Gasleitung

Das Ergebnis dieser Überlegungen war, die gesamte Anlage auf einem städtischen Gelände, nähe des Bahnhof Hanfertal zu planen. Ein besonderer Vorteil bildete u. a. auch die Nähe der Gleisanlagen der Hohenzollerischen Landesbahn, von der ein Gleisanschluß zum Werk geschaffen werden konnte. Somit konnte das Butan direkt von den Tankwagen in die Lagertanks gebracht werden und mußte nicht wie früher mittels einer Pipeline vom Güterbahnhof aus zum Gaswerk in der Burgstraße gepumpt werden.
Mit der Verlegung bzw. dem Neubau des Gaswerkes von seinem bisherigen Standort an den Ostrand der Stadt mußte auch die Gaszuführung im ganzen Stadtgebiet geändert werden. Dies wurd eim Zuge der Baumaßnahmen "Hohenzollernstraße" möglich. In die Stahlrohre mit 400 M/M wurden Kinststoffrohre mit 300 m/m lichter Weite verlegt, um so die Gaszufuhr vom Gaswerk Hanfertal durch den Zollerngraben in den Westteil der Stadt sicherzustellen.

Gasmeister Georg Barth schließt mit Datum 30. April 1981 seinen ausführlichen Rückblick über die 43 Jahre Gaswerk-Geschichte, die er miterlebt und mitgestaltet hatte.

Rund zwei Jahre vor dem Ausscheiden von Gasmeister Georg Barth wurde Flaschner- und Installateurmeister Arthur Zühlke bei den Stadtwerken eingestellt, um sich in sein künftiges Arbeitsgebiet einzuarbeiten.

Die im Herbst 1978 vom Stadtrat beschlossene Verlegung des städtischen Gaswerks in den Bereich des Bahnhof Hanfertal wurde, nachdem im Herbst 1979 alle erforderlichen Genehmigungen vorlagen, realisiert.

Dort entstand das erforderliche Betriebsgelände mit der elektronischen Schaltanlage, der Ströungsmeldeeinrichtung und der Verdampfungs- und Stufenmischanlage in der das Flüssiggas mit Luft vermischt als Flüssiggasluftgemisch in das Rohrnetz eingespeist wurde.

Bahnschienen

Parallel zum Neubau im Hanfertal wurden die alten Betriebsgebäude, sofern sie nicht mehr gebraucht wurden, demontiert. Das dadurch freiwerdende Gelände sollte, so nach den damaligen Zeitungsberichten, zunächst als Parkplätze Verwendung finden.

Dem schon lange davor abgerissenen Ofenhaus folgten das Apparatehaus, das Werkstattgebäude und auch der nicht mehr benötigte Gasbehälter. Schon 1978 fiel das ehemalige Verwalterhaus, in dem August Walter, Gottlob Baisch, Johann Mannel, Carl Leschmann und auch Georg Barth, der nach dem Ankauf des Gruberischen Hauses durch die Stadt in dieses umzog, mit ihren Familien wohnten, der Spitzhacke zum Opfer.

Nach kostpieliger Entsorgung des ehemaligen Gaswerksgeländes, entstanden dort schöne, auch für ältere Bürger gedachte Wohnanlgen.

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